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Sternzeit – ein Kinderoper-Projekt in Berlin
Hubei·Wuhan    I    Datum: 18.Sep. 2009
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Schlagworte: Station Wuhan    Kultur    Kinderoper    Sternzeit    
 
Dirigent Sir Simon Rattle und die Berliner Philharmoniker haben 2004 vorgemacht, wie man Kinder und Jugend- liche für klassische Musik begeistert: In einem Tanz- Projekt für sozial benachteiligte Kinder holte er 250 Kinder aus 25 Nationen auf die Bühne. In 6 Wochen probten die Schüler unter Anleitung eines erfahrenen Pädagogen ein klassisches Ballett mit eigenen Schritten ein. Mit der Arbeit an Musik und Tanz gewannen sie an Selbst- vertrauen und Offenheit. Abschluss des Projekts war ein umjubelter Auftritt auf einer großen Berliner Bühne.

Seitdem gab es immer wieder Nachfolgeprojekte. Eines davon heißt „Sternzeit - Kinderoper in Lichtenberg“, das von der Staatsoper „Unter den Linden“ in Berlin gemeinsam mit dem Caritasverband initiiert wurde. 120 junge Menschen zwischen acht und dreizehn Jahren werden von Fachkräften aus der Staatsoper und von Stadtteil-Pädagogen angeleitet, eine Oper zu erarbeiten. Vorlage ist eine romantische französische Oper, in der es um Sterne und Horoskope geht. Zwei Reiche treffen im Streit um Thronfolge, Schicksal und Liebe aufeinander. Die „Erwachsenen-Oper“ wird etwas später aufgeführt. Mit ihrem Projekt antworten die Kinder so auf eine Opernaufführung in der Staatsoper.

Die Kinder stammen aus Berlin-Lichtenberg, einem der ärmeren Stadtteile, der wenig Entfaltungsmöglichkeiten für Kinder bietet. Einrichtungen wie Kinder- und Jugendzentren, Schulen, ein Hort, eine Musikschule und die Pfarrgemeinde des Stadtteils sind in das Projekt involviert. Die Eindrücke aus der täglichen Lebenswelt der jungen Menschen sollen in die Oper einfließen. „Kinder sollen die Möglichkeit erhalten, sich einen eigenen schöpferischen Weg zu erschließen, der den Zugang zu klassischen und zeitgenössischen Kunsterfahrungen ermöglicht“, sagt Rainer O. Brinkmann von der Staatsoper.

Die Kinder können sich in Schauspiel, Tanz, Musik, Chor, Bühnenbild und Schreibwerkstätten ausprobieren und entwickeln unter Anleitung von Musiktheater-, Tanz- und Sozialpädagogen spielerisch die Inhalte ihrer eigenen Oper. Kontinuierliche Arbeit in der Schule und nachmittags in den Freizeiteinrichtungen wird ergänzt durch gemeinsame Probenwochen in den Ferien.

Durch ihre Tätigkeit stellen die Kinder Bezüge zwischen der romantischen Oper und ihrer eigenen Umgebung her, eine Chance, in der künstlerischen Auseinandersetzung ihre aufgeklärt-städtische, von Beton und rational durchdachter Lebenspraxis dominierte Welt zu "romantisieren". Damit das gelingt, zeigen erfahrene Künstler und Pädagogen den Kindern Wege auf, wie sie kreativ mit den Fragen umgehen können, die sich ihnen aus dem Werk und seinem Bezug zu ihrem eigenen Leben stellen. Dabei ist auch der Blick hinter die Kulissen Thema der Projekt-Arbeit: Die Kinder sollen erfahren, wie die Oper inszeniert und verkauft wird, sich also auch produktionspädagogisch mit dem Medium Oper auseinandersetzen. Hier soll mediale Kompetenz vermittelt werden.

Die Kinderoper wird finanziert von der Staatsoper Berlin, zwei gemeinnützigen Verbänden, dem Stadtteil Lichtenberg und der Stadt Berlin. Schirmherr ist der Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit. Mit dem Projekt geht die Kinder- und Jugendarbeit in Berlin neue Wege. Die Kinderoper soll Impulse für den gesamten Stadtteil geben. Die Projektarbeit bietet die Chance, junge Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammenzubringen, erklären die verantwortlichen Träger. In der „Sternzeit – Kinderoper in Berlin“ können so gerade Kinder, die kaum in Berührung mit klassischer Musik kommen, am eigenen Leib erfahren, wie wichtig Kultur für den Einzelnen und die Gemeinschaft ist. Eine prägende Erfahrung, die sie im besten Fall nach Ende des Projektes mit in ihren Alltag nehmen. 

Bildquelle: Tobias Postulka

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