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(Gu Cheng, 1956-1993, war ein chinesischer Poet der Moderne und prominenter Vertreter der Nebeldichtung (朦胧诗 Menglongshi), am 8. Oktober 1993 griff Gu seine Frau Xie Ye mit einer Axt an und erhängte sich anschließend, Xie Ye erlag ihren Verletzungen auf dem Weg ins Krankenhaus.)
In Dresden regnet es häufig. Ohne, dass sich vorher Wolken zusammenbrauen würden, fangen die Tropfen ganz plötzlich an zu fallen. Wenn die Einheimischen aus dem Haus gehen, tragen sie auch an schönen Tagen stets einen Schirm unter dem Arm.
Im Regen präsentiert sich Dresden anders als bei Sonnenschein. An schönen Tagen erscheinen die barocken Paläste und Kirchen am Elbufer ehrwürdig und prächtig. Im Regen wirken sie jedoch ernst und schwermütig. Die Wechselfälle des Lebens sind, unabhängig von Region und Volk, überall Schilderungen des Lebens und der Geschichte. Im Regen erinnere ich mich plötzlich an meine verstorbenen langjährigen Freunde, Gu Cheng und Xie Ye. 1992 waren wir gemeinsam in Dresden.
Im Winter 1992 war ich das erste Mal in Deutschland. Mein Mitreisender war ein weiterer Freund: Su Tong (chinesischer Schriftsteller, „Frauen und Konkubinen“ von 1990 lieferte die Vorlage für den Film „Rote Laterne“ von Zhang Yimou 1991, Anm. d.R.). Vor 17 Jahren waren die Unterschiede zwischen chinesischen und deutschen Großstädten äußerst augenscheinlich. In Berlin hatten Su Tong und ich damals unsere ersten Doppeldecker-Busse gesehen. Abends lasen wir zum ersten Mal in unserem Leben vor einem großen Publikum im Kerzenschein aus unseren Werke vor.
Ich weiß noch, dass es sich um eine Literaturkonferenz handelte. Bei dieser Konferenz traf ich auch Bei Dao (Essayist und Lyriker der zeitgenössischen chinesischen Literatur, Mitbegründer der Literaturzeitschrift „Heute“ (今天 Jintian) 1978), Yang Lian (chinesischer Dichter, Vertreter der Nebeldichtung (朦胧诗 Menglongshi), Mitgründer des Dichterzirkels „Überlebende“ (幸存者 Xingcunzhe) 1988), Mang Ke (chinesischer Dichter, Mitbegründer der Literaturzeitschrift „Heute“ und des Dichterzirkels „Überlebende“), Duo Duo (Pseudonym des zeitgenössischen chinesischen Dichters Li Shizheng, Vertreter der Nebeldichtung) und Gu Cheng und Xie Ye. Vom Alter und der Dauer ihres literarischen Schaffens her zählten sie alle zur Generation über mir.
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