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Hi, ich bin in Dresden (Teil 7)
Wuhan    I    Datum: 19.Aug. 2009
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Schlagworte: Station Wuhan    Schriftsteller-Austausch    Fang Fang    Dresden    
 
In den letzten Tagen war ich ziemlich beschäftigt und immer erst abends zurückgekommen. Darüber hinaus hatte ich noch einige Dinge zu erledigen, weshalb ich nie dazu gekommen bin, den Eintrag über Meißen zu vervollständigen. Das hole ich heute nach. Einen Tag nach meiner Rückkehr aus Meißen, wollten Yu Kuai und ich uns eine Kunstausstellung in Dresden anschauen. Wir gingen und gingen, bis wir zur Brühlschen Terrasse kamen – sie wurde von Goethe als schönste Terrasse Europas bezeichnet. Ich werde später noch über sie berichten.

Ich bat Yu Kuai mir zu erklären, um wen es sich hier handelt. Ich weiß, dass auf dieser Terrasse an viele berühmte Persönlichkeiten erinnert wird. Yu Kuai las aufmerksam den Namen, der auf dem Denkmal stand, als mir plötzlich ein Licht aufging: das ist der Erfinder des europäischen Porzellans, Johann Friedrich Böttger.

Direkt im Anschluss entdeckten Yu Kuai und ich plötzlich das Chateau der Brühlschen Terrasse – ein militärischer Stützpunkt der damaligen Zeit. Es ist ein grandioses weitläufig verzweigtes Gewölbe, das die ganze Anlage untertunnelt. Im Laufe der Zeit wurde er verschüttet und von den Menschen vergessen. Ende des letzten Jahrhunderts wurde es neu entdeckt und wieder zugänglich gemacht. Seine eigentliche Wiedereröffnung liegt noch keine drei Jahre zurück. Mich wundert es sehr, wie eine so lebendige Metropole wie Dresden nicht darauf achten kann, dass ein derart großes militärisches Bollwerk von der Allgemeinheit vergessen wird. Weil nirgendwo eine Erklärung angeschrieben ist, weiß ich nichts über diese Periode und möchte keinen Unsinn erzählen.

Dieses unterirdische Bollwerk hatte ich bislang nie mit Böttger in Verbindung gebracht. Einen Tag nach dem Besuch berichtete mir Lulu, dass Böttger in den Jahren seiner Gefangenschaft in dieser unterirdischen Festung das Porzellan erfand. Wäre ihm das nicht gelungen, hätte man ihn nicht frei gelassen. Ich empfinde große Freude angesichts dieser beiden Entdeckungen. So ergibt sich für mich Stück für Stück ein vollständigeres Bild der Geschichte Meißens.


Böttger hatte das Porzellan zwar erfunden, im Bereich der Gestaltung war Europa jedoch noch sehr rückständig. Die frühesten Ausstellungsstücke erschienen mir sehr dilettantisch. Das verbesserte sich im Verlauf der Zeit. Am Anfang wurden chinesischen Motive imitiert, später entwickelten sie eigene Stile.
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