Zwei sehr unterschiedliche Musiker verbergen sich hinter diesem Bandnamen: Ernst Horn, Dirigent, Orchesterleiter der Karlsruher Oper und Multiinstrumentalist und der zehn Jahre jüngere Alexander Veljanov, im Gründungsjahr 1985 noch Student der Film- und Theaterwissenschaften. Horns Metier ist die dramatische Oper, Folk und Mittelaltermusik. Aber er ist experimentierfreudig und möchte auch ganz Neues gestalten. Deshalb sucht er für seine modernen Kompositionen einen Sänger. Den findet er in Veljanov, einem Mann, dessen Stil New Wave, Punk und Gothic ist. Heute lässt sich die Musik der beiden dem Dark-Wave-Umfeld zuschreiben; sie haben sich durchaus einen Namen in der deutschen Elektro-Indie-Szene gemacht.
Return (4:23 min)
Auftritt: 17.6. 21:50 - 23:00 Zhongshan Park, Shenyang, Deutsch-Chinesische Promenade, Große Bühne
Besonders typisch ist aber der Abwechslungsreichtum ihrer Songs. Im Lauf ihrer zwanzigjährigen Karriere experimentieren sie zwischen ruhigen, melancholisch-traurigen Balladen (auf dem Album „White Lies“) technoiden Stücken und Songs mit deutlichen Rockelementen z.B. auf dem neuesten Album „April Skies“. „Melancholie ist die gesunde Schwester der Depression“, meint Veljanov und drückt dies mit seiner warmen Stimme, mal zartfühlend, mal aggressiv und immer sehr eindringlich aus. Mit Elektronik und präpariertem Klavier steuert Horn den melodiösen Background harmonisch dazu bei.
„Deine Lakaien“ sind sich selbst aber nicht genug. So suchen sie sich zeitweilig Verstärkung durch den Violinisten Christian Komorowski und den Mittelaltermusiker Michael Popp. Beide werden später abgelöst von dem Cellisten „B. Deutung“, dem Gitarristen Robert Wilcocks und den Geigerinnen und Sängerinnen „Ivee Leon“ und „Sharifa“. Neben ihrem Engagement für „Deine Lakaien“ gründet Horn 1991 mit Michael Popp die Gruppe Qntal, später auch die Gruppe Helium Vola. Alexander Veljanov produziert Soloalben und arbeitet mit der englischen Band „Sleeping Dogs Wake“ zusammen.
Trotz des deutschen Bandnamens singt die Gruppe vorwiegend in Englisch. Die Texte liefern Horn und Veljanov zu fast gleichen Teilen. Sie handeln von Liebe und Tod und sind häufig von Selbstironie oder Schwarzem Humor gekennzeichnet. „Ich habe im Wesentlichen zwei Themen: Das ganz depressive alles-umsonst-Thema und auf der anderen Seite das Philosophisch-Politische“, erklärt Ernst Horn.
2007 gingen „Deine Lakaien“ mit den 40 Musikern der Neuen Philharmonie Frankfurt auf Orchester-Tournee. Horn schrieb die Stücke selbst fürs Orchester um und arbeitet hauptsächlich als Dirigent. Den Wechsel der Live-Besetzungen ihrer Band sehen die Musiker als wichtiges Mittel, um das Thema eines Songs auszuführen: „Es sind tatsächlich Neu-Interpretationen, die immer wieder den Charakter eines Liedes neu interpretieren.“