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Fast zur gleichen Zeit, als die chinesische Malerei einen Siegeszug ohnegleichen antrat, der eingeläutet wurde durch die berühmte Ausstellung „China! Zeitgenössische Maler“ des damaligen Direktor des Kunstmuseums Bonn, Dieter Ronte, und von Walter Smerling mit 31 chinesischen Malern kuratiert wurde, und sich diese Ausstellung auf eine Tour vom Kunstmuseum Bonn über Wien, Singapur, Kopenhagen zum Berliner Haus der Kulturen der Welt im September 1997 machte, bevor es dann 1999 zum Paukenschlag „What Is To Come“ bei der Biennale in Venedig kam, erlebte die deutsche Malerei ebenfalls einen Boom. Etwa ein Jahr später brachte eine Gruppe Leipziger Maler in der dritten Generation, nach Werner Tübke, Walter Mattheuer und Bernhard Heisig und deren Schülern Arno Rink und Sighart Gille Maler wie Neo Rauch, Tim Eitel, Martin Kobe, Matthias Weisch und später Christoph Ruckhäberle, neue Tendenzen realistischer Malerei in die deutsche Malerei ein. Diese wurden ab 2000 bemerkbar und hatten spätestens 2004 die internationalen Kunstmärkte erobert, wie vor ihnen die neue chinesische Malerei.
Die sogenannte Neue Leipziger Schule um die Leipziger Kunstakademie herum, die heute Hochschule für Grafik und Buchkunst heißt, trat zu dem vorhandenen Kanon Düsseldorfer Malerei hinzu, der schon Jahrzehnte lang bestimmt wurde von Jörg Immendorff, Markus Lüpertz und A. R. Penck (die anderen dominierenden Düsseldorfer Künstlerprofessoren wie Polke, Uecker, Graubner, Rinke waren ja keine figurativen Maler) bzw. stellte diesen Kanon auch erst einmal ins Abseits.
Seit dem Auftritt dieses neuen Leipziger Malzentrums – auch wenn die Kategorisierung „Neue Leipziger Schule“ als unscharf in Frage gestellt wird – neben der Düsseldorfer Akademie und ihres Umkreises, ist in der zeitgenössischen gegenständlichen Malerei wieder ein spannendes, bipolares Feld geschaffen worden, das kreative Kräfte unter den Jungen angezogen hat.
Insofern hat sich in Deutschland also die Ost-West-Begegnung der Künste um die Wiedervereinigung herum fruchtbar ausgewirkt, übrigens auch auf dem Gebiet der Schauspielkunst und der Literatur, nicht aber auf dem Sektor nicht gegenständlicher Kunst, was sich in so mancher Unbalanciertheit im deutschen Ausstellungsbetrieb auswirkt. Einer der besten, nicht gegenständlichen bzw. nur halb gegenständlichen Künstler Ostdeutschlands etwa, Michael Morgner, wird nicht seinem hohen künstlerischen Rang gemäß behandelt.
Es ist sicherlich ein Verdient dieser Ausstellung in Wuhan, dass die Auswahl eine glänzende Übersicht über die Spannungsbögen dieser neuen Entwicklung gibt und neben bekannten Künstlern wie Christoph Ruckhäberle, Cornelia Schleime, Christopher Lehmpfuhl auch etwas weniger Bekannte aufführt, die freilich bereits ebenso auf den Hintergrund renommierter Galerien zählen können wie diejenigen, deren Name schon in aller Munde sind.
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