Kontakt   Impressum   Stellenangebote
     
 
 
"Dieses Stück ist auch für Chinesen geschrieben"
Datum: 23.Mai 2009    
I    Favoriten     I     drucken     I     schließen    I     翻译为中文
Startseite > Aktuelles
Schlagworte: Station Shenyang   Yuanye   Georg Büchner   Leonce und Lena   
 
Die Eröffnungsveranstaltung der vierten Station von "Deutschland und China - Gemeinsam in Bewegung" präsentierte ein kulturelles Highlight: die chinesische Erstaufführung von Georg Büchners satirischer Komödie "Leonce und Lena". Der bekannte chinesische Essayist Baoerji Yuanye hat das Stück für die chinesischen Bühnenbretter adaptiert.
Deutschland-und-china.com traf den Schrifsteller zum Interview.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Büchners „Leonce und Lena“ zu adaptieren?
Zunächst interessierte mich die Veranstaltungsreihe „Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung“, weil sie sich an die Bürger der Provinzhauptstädte wendet, das ist in meinen Augen sehr sinnvoll. Dabei habe ich Büchner entdeckt, und fand, er sollte einem größeren Publikum in China vorgestellt werden.

Die Geschichte spielt im Europa des 19. Jahrhunderts. Wie kann man sie dem heutigen chinesischen Publikum nahe bringen?
Auch unsere Partner waren hier zuerst skeptisch. Büchner ist ohne Frage ein großer Künstler, aber es bleibt offen, ob ihm das chinesische Publikum Zuneigung und Zustimmung entgegen- bringen wird. Nach der Lektüre von Li Jianmings Übersetzung war mir klar, dass „Leonce und Lena“ weniger von deutscher Kultur als von universell menschlichen Fragen handelt: Heirat, Liebe, Freundschaft, Zeit, Flucht, Existenz, Natur. Er spricht beinahe von allem.

Was war Ihr Konzept? Wo ist der Unterschied zur Direktübersetzung?
Büchner hat „Leonce und Lena“ mit 22 Jahren für einen Wettbewerb eines Verlags geschrieben, und nicht zwingend für ein Theater-Publikum oder für die Bühne. Das Stück reflektiert auf der philosophischen und kulturellen Ebene menschliche Themen, daher ist die Sprache tiefsinnig und manchmal schwierig. Meine Bearbeitung arbeitet durchgehend den Kern des Stücks heraus – gnadenloser Spott und Sarkasmus gegenüber dem Leben. Dahinter verbirgt sich eine komplexe Forderung nach dem Wahren, Guten und Schönen. Für die Aufführung muss man eine Sprache finden, die das Publikum versteht. Man kann nicht sagen: „Büchner ist halt ein Modernist, und dass ihr ihn nicht versteht, kommt daher, dass ihr zu wenig wisst.“

Dieses Stück ist eine satirische Komödie. Wie verstehen Sie Büchners Humor?
Ich denke sein Humor ist vor allem sarkastisch; er stellt die Intelligenz des Publikums auf die Probe. Um den Zugang zu erleichtern, haben wir eine Figur hinzugefügt, die es im ursprünglichen Stück nicht gibt – den „Schatten“, dessen Aufgabe es ist, das Bündel zu öffnen und die Leute zum Lachen zu bringen.

Was für Reaktionen erhoffen Sie sich vom Publikum?
Das Merkmal großer Kunst ist, dass sie bei jedem auf seine Weise Empfindungen auslöst. Ich hoffe, das Stück wird auch beim chinesischen Publikum Resonanz finden. Wenn ich es richtig gemacht habe, wird das Publikum denken, dieses Stück sei für sie geschrieben worden. Und selbst wenn das Publikum nur Unterhaltung sucht, soll es auf seine Kosten kommen.

Sie sind Prosa-Schriftsteller. Gibt es Unterschiede zur dramatischen Sprache?
Ein Theaterstück ist gehörte Literatur. Während des Schreibens gab ich manchmal unbewusst Laute von mir, um der Lautlichkeit der Sprache gerecht zu werden. Gleichzeitig wollte ich den Charakter der Deutschen und ihrer Sprache bewahren – Tiefe, Analyse, Natürlichkeit, Strenge.


Verwandte Artikel:
Das Land der Ideen im Ruhrgebiet Chinas 
          Feierliche Eröffnung der vierten Station in Shenyang/Liaoning
         
Verwandtes Feature:
Schriftstelleraustausch
          Yuan Ye berichtet vom Schloss Solitude in Stuttgart
 
 
Aktuelles
   
Zur Promenade